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Überlegst du dir auch häufig, wie du am besten deine Wünsche ausdrücken könntest?

4 Gründe, warum es dir schwerfällt deine Bedürfnisse zu äußern und 4 Tipps, wie es dir zukünftig gelingt

Hast du dich schon mal dabei beobachtet, wie du um den heißen Brei herumredest, wenn du deine*n Partner*in, Kolleg*in, Freund*in um etwas bitten möchtest? Oder leitest du deine Bitte auch mit einer Frage ein, wie „Könnte, hätte, würde, dürfte ich“? Es fällt dir schwer, deine Bedürfnisse zu äußern.

Damit bist du nicht allein. Ohne Klischees bedienen zu wollen, aber Frauen sind einfach eher darauf aus, Harmonie zu wahren oder wiederherzustellen. Daher fällt es Frauen, die dieses Bedürfnis haben, besonders schwer ihre Wünsche klar zu äußern und auch zu vertreten.

Vermutlich erkennst du dich hier wieder – da sind wir schon zwei. 🙂 Wenn du noch nicht weißt, warum es dir so schwerfällt, findest du hier 4 sehr weit verbreitet Gründe. Wenn dir das schon bekannt ist, scroll einfach runter, da findest du 4 Lösungsmöglichkeiten.

4 Gründe, warum es dir so schwerfällt, deine Bedürfnisse und Wünsche zu äußern

1. Kindheitserfahrungen

Als ich klein war, habe ich öfter den Satz gehört: „Heißt du Willi oder was?“, wenn ich etwas wollte. Klar, als Kind habe ich auch „Ich will“ gesagt und nicht „Ich hätte gerne“.
Heute weiß ich, dass das scherzhaft gemeint war. Aber durch diesen Satz hat sich in mir sehr sehr lange die Überzeugung gefestigt, dass ich nichts wollen soll und, dass es nicht erwünscht ist, dass Madeleine etwas will.

Die Krönung dieser Überzeugung waren Sätze wie: „Dürfte ich dich bitten, dass du mir das Wasser gibst?“ Hallo??? Krass oder?

Versuche dich zu erinnern, ob du ähnliche Sätze in deiner Kindheit gehört hast.
Das können Sätze gewesen sein wie:
„Sei nicht so laut, nicht so aufmüpfig“
„Sei ein braves Mädchen“
„Sei nicht so frech gegenüber Erwachsenen.“
“Mädchen schreien nicht so rum.”
Mir würden noch unzählige Sätze einfallen. Ich denke, du weißt, was ich meine.

Daraus entstehen Überzeugungen wie:
“Ich darf mich nicht gegen (vermeintliche) Autoritäten wehren”
“Ich darf nicht widersprechen.”
“Wenn ich was sage, interessiert es doch eh keinen.”
“Ich muss zu allen nett sein, damit ich gemocht werde.”

Schreibe dir diese Sätze für später auf.

2. Sozialisation und Vorbilder

Was um uns herum passiert und wen wir als Vorbilder in unserer Kindheit und Jugend haben, hat enormen Einfluss auf unser Selbstverständnis.

Sozialisation

Wir Menschen werden durch unsere Familie und der Gesellschaft, in der wir leben, sozialisiert. Welche Regeln gelten in der Gesellschaft? Welche Erwartungen werden an Frauen und Männer geknüpft? Welche Rolle spielen Institutionen wie Schule, Familie, Kirche? Welche Vorurteile herrschen über Geschlechter? etc. All das nimmt Einfluss auf unsere Verhaltensweisen.

Frauen werden eher dahin sozialisiert, nicht so laut zu sein, nicht so viel Raum einzunehmen, sich zurückzunehmen, sich um andere zu kümmern, gefällig zu sein.

Vorbilder

Wenn deine Mutter oder die Frauen in deinem Umfeld sich immer um andere kümmern, wenn sie eher zurückstecken, wenn sie eher leise sind, wenn sie nicht für sich einstehen, wenn sie sich klein machen, dann wirst du das mit hoher Wahrscheinlichkeit so übernehmen.

Manche dieser Eigenschaften haben durchaus positive Seiten. Bis zu dem Moment, ab dem es nur noch um die anderen geht und du dich selbst übersiehst.

Sich kleiner machen als man ist

Nehmen wir das Beispiel Mathematik. Wie oft höre ich von Frauen und Mädchen (!), sie seien nicht gut in Mathe und könnten nicht rechnen.
1. Wenn ich das von mir glaube, werde ich es auch nicht können.
2. Wenn ich keine weiblichen Vorbilder habe, die mir das Gegenteil zeigen, werde ich es auch glauben

3. Ängste

Die häufigste Angst ist die vor Ablehnung, also ein ,Nein’ zu kassieren. Diese Angst endet häufig in Worst Case – Szenarien wie, dass mein Chef mich kündigt, wenn ich um mehr Gehalt bitte.

Warum ist die Angst vor Ablehnung so stark?

Weil wir die Ablehnung persönlich nehmen. Wir hören nur auf der Beziehungsebene zu und denken, jetzt mag uns unser Chef nicht mehr.

Deshalb kann ein ,Nein’ kann enorme Zweifel an der eigenen Person auslösen:
„Ich hätte diese Person (Autorität) nicht fragen dürfen.“
„Ich war unverschämt.“
„Ich bin nicht gut genug, um darum zu bitten“…
„Wie konnte ich nur, ist das peinlich“

In Wahrheit wurde jedoch lediglich der Vorschlag, die Idee, die Strategie, der Wunsch abgelehnt, also die Sache. Das hat nichts mit dir als Person zu tun.

Ein Beispiel: Du bittest deine*n Chef*in um mehr Gehalt und sie*er sagt: ,Nein’.
Was du denkst, was dein*e Chef*in sagte: „Was soll diese unverschämte Frage, hast du nicht schon genug? Du bekommst den Hals nicht voll“ etc. Weil du auf der Beziehungsebene zuhörst.
Was dein*e Chef*in eigentlich sagte: „Momentan geht es dem Unternehmen nicht so gut, dass eine Gehaltserhöhung möglich ist.“ oder „Wir strukturieren bald um und dann nehmen wir uns alle Gehälter nochmal vor.“
Es gibt tausend rationale Gründe für die Ablehnung der Sache.

Du hörst aber nur: „Ich bin nicht in Ordnung.“

Du bist absolut ok! Großartig! Fantastisch! So wertvoll!

Weitere Ängste sind z.B. zur Last zu fallen, wenn man um Hilfe bittet. Man könnte ja Zeit stehlen, Mühe bereiten, die Kollegin bei der Arbeit unterbrechen.

Manchmal ist es auch die Angst, dass andere Nachteile haben, wenn ich meine Wünsche erfülle. Weil sie nicht zum Zug kommen, etwas vom Kuchen abgeben müssen oder ihre Wünsche zurückstellen müssen.

Das führt mich direkt zum 4. Grund

4. Das schlechte Gewissen

Du bekommst die Gehaltserhöhung, dein Kollege dafür nicht. Autsch! Wie sollst du jetzt die Gehaltserhöhung genießen?

Du sagst deinen Eltern, dass du dieses Jahr nicht an Weihnachten kommst, weil du verreisen möchtest. Ok, 2020 geht das schlecht. Sagen wir, du möchtest dieses Jahr eben gerade nicht durch die Republik reisen, weil das viel Stress für dich bedeutet.
Wenn deine Eltern jetzt enttäuscht sind, wird das schwer auszuhalten sein.

Es ist absolut ok, dass du deine Bedürfnisse vertrittst. Ein schlechtes Gewissen ist überhaupt nicht nötig!

Mit den folgenden 4 Tipps wirst du deine Bedürfnisse ohne Ängste äußern.

1. Vermeide den Konjunktiv

Schluss mit “hätte, könnte, würde, dürfte ich”! Es ist völlig in Ordnung direkt zu fragen oder auch mal Ansagen zu machen. Denn das geht auch in höflich:
“Kannst du meinen Schichtdienst übernehmen?”
“Hole du bitte heute die Kinder ab, ich habe noch einen Termin.

2. Sei dir deines Wertes bewusst

Du bist wertvoll für deine Familie, deine*n Arbeitgeber*in, deine*r Freundinn*en, für diese Welt! Und nicht nur, weil du besondere Leistungen erbringst.

Du bist wertvoll – einfach, weil du auf der Welt bist.

Vielen Frauen fällt das wahnsinnig schwer anzuerkennen. Denn viel zu oft machen wir unseren Selbstwert von der Meinung anderer abhängig. Messen ihn am Lob und der Anerkennung anderer, an der Zuwendung und Liebe, die wir von anderen bekommen.

Dein Selbstwert steht auf ganz schön wackligen Beinen. Denn all das kann auch schnell weg sein.

Deshalb ist es so wichtig, dass du dir diesen Wert, die Zuwendung, das Lob, die Anerkennung und Liebe selbst gibst.

Verwöhne dich damit und mache dir klar, warum du so wertvoll bist:
Was kannst du gut?
Welche Fähigkeiten und Ressourcen hast du?
Durch welchen Sturm bist du schon gegangen und gestärkt herausgekommen

3. Sende Ich-Botschaften und vermeide Pauschalisierungen

Die Wertschätzende bzw. Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg ermöglicht es, Wünsche ohne Anklage und starke Emotionen zu äußern. Sie beruht auf der Wertschätzung deiner eigenen Person und der*des Anderen.
Vermeide zudem Wörter wie „immer, nie, alles, nichts“.

Zwei Beispiele für wertschätzende Kommunikation:

„Ich habe das Projekt XY erfolgreich abgeschlossen. Dies erachte ich als eine besondere Leistung für das Unternehmen. Deshalb möchte ich Sie bitten, mich bei der nächsten Gehaltsrunde zu berücksichtigen. Sind Sie damit einverstanden?“

„Bevor Clara in den Kindergarten kam, habe ich mich vor allem um sie und den Haushalt gekümmert. Nun möchte ich mich beruflich wieder aufstellen und meine Stunden erhöhen. Ich wünsche mir, dass du deine Stunden reduzierst. Ist das in Ordnung für dich?“

4. Schaue deine Überzeugungen an

Im ersten Punkt solltest du die Glaubenssätze und Überzeugungen notieren, die aus (Kindheits-)Erfahrungen entstanden sind.

Das tut jetzt vielleicht etwas weh, aber es ist so wichtig, dass du diese Glaubenssätze anschaust und auflöst.

Wie dir das gelingt, das habe ich hier ausführlich beschrieben.

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